Halitosis (Mundgeruch)

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Ursachen und Therapie von Mundgeruch

Mundgeruch fällt in der zahnärztlichen Praxis oft als erstes auf. Meist ist die Ursache harmlos und lässt sich mit geeigneten Maßnahmen gut bekämpfen. Es kommen aber auch ernsthafte Erkrankungen in Frage, die rechtzeitig behandelt werden müssen.

Ursache meist in der Mundhöhle

In den meisten Fällen (ca. 80 %) liegt die Ursache von schlechtem Mundgeruch (Halitosis, Foetor ex ore) im Bereich der Mundhöhle.1,2 Abseits davon sind Ursachen im Bereich der Atemwege, des Gastrointestinaltrakts, im endokrinen und hämatologischen System zu finden. Besonders der Magen wird hier eher überschätzt, denn statistisch gesehen sind Erkrankungen in diesem Bereich nur in etwa 5 % der Fälle für Halitosis verantwortlich. Ebenso können Stoffwechselerkrankungen oder Medikamente eine Rolle spielen.1 Sollte also bei Halitosis die Ursache nicht in der Mundhöhle zu finden sein, ist die Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten anderer Fachrichtungen gefragt.

Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte

Bekanntlich herrschen in der Mundhöhle besonders gute Bedingungen für das Wachstum von Bakterien. Nischen und Oberflächen wie Zunge und parodontale Taschen beherbergen Mikroorganismen, welche in der Lage sind, u.a. schwefelhaltige Aminosäuren zu verstoffwechseln. Die daraus entstehenden faulig riechenden flüchtigen Schwefelverbindungen (v.a. Schwefelwasserstoff und Methylmercaptan) sind Studien zufolge in den meisten Fällen für schlechten Mundgeruch verantwortlich.1 Verschiedene Erkrankungen und Faktoren in der Mundhöhle begünstigen die übermäßige Vermehrung auslösender Bakterien, so dass sich daraus unterschiedliche Behandlungsmaßnahmen ergeben.

Häufige Ursachen in der Mundhöhle und ihre Therapien

Mangelhafte Mundhygiene: Nahrungsbestandteile und Plaque bieten hervorragende Bedingungen für Bakterien, sich ungebremst zu vermehren. In diesem Fall erfolgt die Aufklärung der Betroffenen, eine Einweisung in eine adäquate Mundhygiene und regelmäßige professionelle Zahnreinigungen. Zusätzlich unterstützen im akuten Fall chlorhexidinhaltige und zum täglichen Gebrauch antibakteriell wirkende Mundspülungen. Hier sind z.B. Spülungen mit ätherischen Ölen wirksam. Da auch die Zunge ein Reservoir an Mikroorganismen darstellt, sollten von Halitosis Betroffene auch über Maßnahmen zur Zungenreinigung aufgeklärt werden.

Paradontale Erkrankungen: In parodontalen Taschen befinden sich innerhalb eines komplexen Biofilms anaerobe, parodontopathogene Bakterien. Mikroorganismen wie z.B. Porphyromonas gingivalisPrevotella intermedia und Fusobacterium nucleatum produzieren durch ihren Stoffwechsel  schwefelhaltige Gase, die zu einem großen Teil für schlechten Mundgeruch verantwortlich sind.4 Die Therapie besteht aus einer individuell angepassten und nachhaltigen Parodontitisbehandlung, um ein gesundes Gleichgewicht des parodontalen Mikrobioms wiederherzustellen.

Xerostomie und hochvisköser Speichel: Da Speichel antimikrobielle Eigenschaften und eine Reinigungsfunktion hat, wirkt sich zu wenig Speichel auf die Mundflora negativ aus. Patientinnen und Patienten mit Xerostomie weisen oft mehr Plaque auf Zähnen und Zunge auf und es gibt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Mundtrockenheit und Halitosis5. Arzneimittel sind die häufigste Ursache für Xerostomie. Beispiele hierfür sind Anticholinergika, Anti-Parkinson-Medikamente, Chemotherapeutika, Antihypertensiva, Antidepressiva und Anxiolytika.6 Speichelersatzprodukte und Maßnahmen zur Karies- und Parodontitisprophylaxe können bei der Behandlung hilfreich sein.7,8

Karies: Zu schlechtem Mundgeruch können auch kariöse Läsionen beitragen. Diese müssen entfernt und Zähne mundhygienefähig gemacht werden.

Ulzerationen und maligne Erkrankungen: Bei Foetor ex ore sollte unbedingt die Mundhöhlenschleimhaut auf Veränderungen untersucht werden. So können u.a. Schleimhautulzerationen, viral bedingte Schleimhautläsionen und Tumorendie Ursache sein und müssen abgeklärt werden..

Halitosis auch in lebensbedrohlichen Situationen

Können bei Halitosis und/oder auffälligem Körpergeruch Ursachen innerhalb der Mundhöhle ausgeschlossen werden, sollten Betroffene interdisziplinär auf andere Erkrankungen untersucht werden. In manchen Fällen besteht eine lebensbedrohliche Situation!

Weitere Ursachen können sein:

  1. HNO-assoziierte Erkrankungen
  2. Gastrointestinale Erkrankungen
  3. Pulmonale Erkrankungen
  4. Leberversagen (Foetor hepaticus: leicht süßlicher Geruch nach Ammoniak, vergleichbar mit roher Leber 10,11
    Cave: lebensbedrohlich!
  5. Nierenversagen (Foetor uraemicus: Geruch der Ausatemluft nach Urin durch Ansammlung von Harnstoff 12
    Cave: lebensbedrohlich!
  6. Diabetes mellitus (typischer fruchtig-nagellackähnlicher Geruch der Ausatemluft nach Azeton bei Hyperglykämie 13
    Cave: lebensbedrohlich!

Fazit

Halitosis ist in den meisten Fällen gut durch Zahnärztinnen und Zahnärzte behandelbar, da die Ursachen in der Mundhöhle liegen. Manchmal muss aber eine Überweisung erfolgen, um sonstige Erkrankungen auszuschließen. In seltenen Fällen weist ein auffälliger Mundgeruch auf eine lebensbedrohliche Situation hin.

Quelle:
Salz, M. (2024, 5. März). Halitosis – Ursachen und Therapie von Mundgeruch. Coliquio. (https://www.coliquio.de/wissen/zahnmedizin-100/halitosis-ursachen-therapie?)

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